Kinder

Bei der Betrachtung der Dysphagien im Kindes- und Jugendalter zeigt sich, dass die Anzahl der Neuerkrankungen sowie die der Betroffenen nicht ausreichend untersucht sind. Laut einer Untersuchung von Diesener (2000) liegt die Häufigkeit von erworbenen neurogenen Dysphagien bei Kindern und Jugendlichen bei 0,7 pro 100000 Einwohnern. Zahlen über die Häufigkeit angeborener Schluckstörungen liegen nicht vor. Mit Blick auf internationale Quellen ist davon auszugehen, dass 3 bis 10 % aller Kinder unter schweren Schluck- und/oder Fütterstörungen leiden (ASHA).

Begriffsdefinition

Bei Kindern und Jugendlichen werden die Begrifflichkeiten nicht eindeutig abgegrenzt (Limbrock, 2011). Begriffe wie „Mund-, Ess- und Trinkstörungen“, „Trinkschwächen“ (Biber, 2012, 5) oder Fütter- und Essstörungen werden gebraucht. Die Dysphagie bzw. Schluckstörung definiert jedoch die „Störung der Aufnahme, der Zerkleinerung oder des Transports von Nahrung/Flüssigkeiten […] in der oralen, pharyngealen oder ösophagealen Phase […]“ (Limbrock, 2001, 83). Die Abgrenzung zur Fütterstörung ist wie erwähnt dabei nicht immer eindeutig. Ursachen und Häufigkeit Ursachen von Dysphagien (Schluckstörungen) bei Kindern können Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft und unter der Geburt, multiple Behinderungen, genetische Veränderungen oder auch organische Missbildungen (z.B. Stenosen) sein. Besonders betroffen sind Kinder mit Mehrfachbehinderungen, sei es im geistigen und/oder motorischen Bereich.

Die Therapie

Das therapeutische Vorgehen unterscheidet sich nur wenig von der Therapie bei erwachsenen Dysphagiepatienten. Besonderheiten ergeben sich aus den teilweise abweichenden anatomischen Voraussetzungen der Kinder. Es bestehen engere räumliche Verhältnisse im Mund und Rachenraum (DGNKN, 2003). Dadurch nimmt die Zunge mehr Platz ein. Bei ganz kleinen Kindern verringern die Wangenpolster zusätzlich den Platz. Kinder, die von Geburt an die grundlegenden Fähigkeiten Saugen, Kauen und Schlucken nicht erworben haben, leiden zusätzlich meist unter Einschränkungen der Sensibilität im Mundbereich und können z.B. Speichel und Nahrung nicht adäquat wahrnehmen und somit werden wichtige Reflexe wie Schluck- oder Würgreflex nicht ausgelöst. Tracheotomierte Kinder (Luftröhrenschnitt mit Kanüle) bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Hier ist es auch Aufgabe des Logopäden/ der Logopädin, den Atemwiderstand zu trainieren und gegebenenfalls die physiologische Atmung anzubahnen. Therapeutische Ansätze orientieren sich an den Erkenntnissen aus der Diagnostik, den individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten der kleinen Patienten. Neben der Grunderkrankung besteht auch durch das Alter eine herabgesetzte Krankheitseinsicht. Auch die umfassende Beratung, Aufklärung und gegebenenfalls Anleitung der Eltern bzw. der betreuenden Personen durch entsprechende Fachdisziplinen ist notwendig.